• Paul Bonte

Wandel an der Europa-Universität -Was der Wechsel im Präsidium für die Studierendenschaft bedeutet

Bereits seit Mitte Februar steht fest, dass unsere Präsidentin Julia von Blumenthal die Viadrina verlassen wird. Ihre Amtszeit wird früher als geplant enden, da ihre Bewerbung als Präsidentin an der Humboldt-Universität zu Berlin Erfolg hatte. Doch was bedeutet das für unsere Universität? Welche Baustellen gibt es für das nächste Präsidium?



Zum Ende des Sommersemesters ist es so weit: Julia von Blumenthal wechselt nach knapp vier Jahren Amtszeit an die Humboldt-Universität. In dieser Zeit hat sie einige Projekte verwirklichen können: Neben der Eröffnung der European New School of Digital Studies hat Julia von Blumenthal den Umstieg auf digitale Lehre und die Rückkehr auf den Campus begleitet. Zudem engagierte sie sich maßgeblich in der Städtepolitik.

Gleichzeitig lässt der Wechsel im Präsidium dementsprechend eine Lücke entstehen. Julia von Blumenthal verlässt ein sinkendes Schiff: Während die Zahl der Studierenden in den Semestern vor der Pandemie noch bei weit mehr als 6000 Menschen lag, wird bei den Daten von diesem Sommersemester sogar die Marke von 5000 Studierenden unterschritten. Zahlen von anderen Hochschulen beweisen: Hierbei handelt es sich um ein spezifisches Viadrina-Problem und kein Phänomen, was auch an anderen Universitäten auftritt. Eine zentrale Aufgabe für die Nachfolge von Julia von Blumenthal wird es also sein, wieder mehr Studierende für die Viadrina als Hochschule zu begeistern. Es gilt nun, sich neue Strategien zu überlegen – abseits von Werbekampagnen an Berliner Bahnhöfen mit nichtssagenden Slogans wie „Du willst Europa studieren“. Auch die Frage, wie Frankfurt (Oder) der Wandel zu einer attraktiven Hochschulstadt gelingen kann, gilt es vom neuen Präsidium der Universität zu bearbeiten.

Im Rahmen der Kampagne „Stadt der Brückenbauer“ bewirbt sich die Stadt Frankfurt (Oder) gemeinsam mit der Europa-Universität als Standort für das Zukunftszentrum für Europäische Transformation und Deutsche Einheit, welches ein Forschungs- und Begegnungszentrum sein soll. Das Zukunftszentrum ist das größte Bauprojekt der Bundesregierung im kommenden Jahrzehnt – eine Zusage wäre also eine große Chance für Frankfurt. Zunächst muss die Europa-Universität jedoch beweisen, dass sie Transformation kann. Noch immer ist an der Viadrina die Rückkehr aus dem Corona-Modus nicht vollständig abgeschlossen. Viele Studierende klagen darüber, dass Seminare und Vorlesungen nicht immer in Präsenz angeboten werden – Pendler:innen freuen sich hingegen über das digitale Angebot und die Möglichkeit, die Viadrina als Fernuniversität wahrzunehmen. Hier muss nun eine richtungsweisende Entscheidung getroffen werden: Soll die Viadrina ihr hybrides Angebot beibehalten oder soll ein vollständiger Wechsel auf Präsenz-Lehre erfolgen?

Aber nicht nur die Kampagne für den Standort als Zukunftszentrum und die Transformation in der Lehre werden maßgeblich Herausforderungen in Zukunft sein. Auch in anderen Bereichen gibt es Aufgaben, die dringend angegangen werden müssen. An einer Universität im Jahr 2022 müssen Dinge wie das instabile WLAN, die doch recht unübersichtliche Website oder fehlende Steckdosen in den Hörsälen und Seminarräumen deutlich schneller behoben und überarbeitet werden.

Bis eine Nachfolge für Julia von Blumenthal gefunden ist, wird Prof. Dr. Eva Kocher als Vizepräsidentin das Amt kommissarisch übernehmen. Wann bekannt wird, wer als Nachfolge kommt, ist zurzeit noch unklar. Fest steht jedoch, dass es einiges zu tun gibt.


Foto: Heide Fest



Anmerkung: Dieser Artikel erschien zuerst in der viamag-Printausgabe vom 4. Juli 2022. Diese ist noch bis zum nächsten Semester überall kostenlos überall auf dem Campus erhältlich.


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